Geschichtswerkstatt St. Gertrud

Geschichte von Hohenfelde und Uhlenhorst

Die Geschichte von Uhlenhorst und Hohenfelde

Erdgeschichtlich betrachtet gibt es das Gebiet der heutigen Hamburger Stadtteile Uhlenhorst und Hohenfelde natürlich schon lange und rein geologisch gesehen in diesem Zustand seit Ende der letzten Eiszeit. So ist die Grundmoräne der Saalevereisung der entscheidende Faktor bei der Oberflächengestaltung.

Urkunde: erste Erwähnung des Gebiets Uhlenhorst-Hohenfelde

Urkundlich erwähnt wird dieses Gebiet jedoch zum ersten Male am 12. August 1256. Die Grafen Johann und Gerhard von Holstein überließen mit Wirkung dieses Tages den Hamburgern einen Teil ihres Besitzes, inklusive ein als "Papenhude" bezeichnetes Stück Land. Wie damals üblich wurde diese Urkunde in Lateinisch gehalten. Übersetzt ins Deutsche steht dort in Kürze folgendes:

"Johann und Gerhard, Grafen von Holstein, erlassen den Hamburgern für immer ihren Antheil an der Abgabe von vier Schillingen und den Friedschillinge, und verleihen denselben die Felder zwischen Eilenbeck und Hamm und diejenigen in Papenhude zur Stadtweide, so wie die von den Herrn von Zestere und Hartwig von Storman erkauften Güter und das Eigenthum in Heimichhude. Ferner das Gericht am alten Mühlendamme bis zum Orte, wo die Elbfluth steigt; auch das Zollhaus in der Stadt und zwei Schlachthäuser an der Alster." (12. August 1256, nach dem Originale)

Und so, wer hätte das gedacht, feiern unsere Stadtteile im Jahr 2006 am 12. August ein rundes Jubiläum.

Dieses auch schon vorher landwirtschaftlich genutzte Land diente nun den Hamburgern als Stadtweide. Und da es in einer Zeit, in der die meisten Hamburger sicherlich nicht einmal lesen, geschweige denn schreiben konnten, über ein paar Wiesen und Moore nichts großartiges zu berichten gibt, ist dies für längere Zeit auch die letzte Erwähnung dieses Landstrichs, an den die Papenhuder Strasse noch heute erinnert.

Für die unmittelbar an der Alster gelegenen Ländereien setzte sich allerdings zunächst der Name "Papenwerder" durch. Er tauchte erstmals 1541 im Zusammenhang mit einem Unglücksfall auf, bei dem acht angetrunkene Maurer in der Alster ertranken. Der Name der "Rönnhaide" findet sich erstmals im Jahre 1632 und bezeichnet den östlichen höher gelegenen Teil dieses Landstrichs. Der Name Uhlenhorst findet sich dagegen erstmals 1730, setzt sich dann aber im Laufe der Jahre für die gesamte Gegend durch.

Das erste Gebäude aus der Zeit vor 750 Jahren war die Kuhmühle, an die heutzutage noch ein Straßenname erinnert. Sie wurde nicht etwa mittels Einsatz von Kühen betrieben, sondern war eine ganz normale Wassermühle. Das dazu nötige Wasser wurde aufgestaut und so entstand der Kuhmühlenteich, welcher heute noch an gleicher Stelle wenn auch in anderer Gestalt als damals existiert. Und so erhielt die Kuhmühle ihren Namen vermutlich durch die in Ihrer Umgebung liegenden Kuhweiden. Bereits 1247 zum ersten Mal erwähnt, trug die Mühle über Jahrhunderte zur Versorgung Hamburgs bei. Die Kuhmühle befand sich in hamburgischem Besitz und wurde meistbietend verpachtet (z.B. 1482 an Armgart de Komollersche !!! Daher der Name "Armgartstrasse"). Um kontinuierliche Einnahmen zu gewährleisten, waren die Bauern in der Umgebung dazu verpflichtet, ihr Korn hier mahlen zu lassen. 1874 wurde die baufällige Mühle abgebrochen.

Die einzigen mit einiger Sicherheit bis Ende des 17. Jahrhunderts nachweisbaren gewerblich orientierten Gehöfte auf der Uhlenhorst waren die beiden sogenannten Immenhöfe, der "Schürbek" (der spätere "Mundshof") und die Uhlenhorst (erstmals 1608 so bezeichnet). Bis in das Jahr 1677 waren die beiden Immenhöfe die einzigen menschlichen Niederlassungen in dem weiten, nur als Viehweide benutzten Räumen zwischen den untersten Laufstrecken des Eilbeks (damals "Eylenbeke")und des Osterbeks.

Spuren eines alten Dorfkerns findet man jedenfalls vergeblich und in seiner Gesamtheit ist dieses Gebiet auch niemals Teil eines der umliegenden Dörfer gewesen, obgleich Barmbek zeitweise Hoheitsansprüche angemeldet hat. Denn Barmbek gewann im 15. und 16. Jahrhundert an Bedeutung und so begannen zum Ende des 16.Jahrhunderts die Barmbeker Bauern den Hamburgern die Ländereien streitig zu machen.

Im Laufe der Jahre kam es zu diversen Zwischenfällen, die uns heute teilweise recht kurios anmuten mögen:

"Als die Borgescher Schäfer auf der Papenhude ihre Schafe weideten, wurden Sie von einigen Barmbekern gepfändet und ihnen die Schafe abgenommen. Die Borgescher aber, als sie sahen, dass ihnen durch Sentu keine Hilfe wiederfuhr, spanneten dagegen einigen Barmbekern, wie sie in die Stadt fahren wollten, ohnweit des Dammtors auf offenbarer Heerstraße, am 04.Oktober unterschiedliche Pferde aus, wobey sie von einigen anderen mit Messforken, Spitzborten, Schäferkeulen und anderen Instrumentis rusticis assistieret wurden." (Aus einer Gerichtsakte von 1646)

Dieser Streit wurde letztlich durch einen Gerichtsbeschluss beendet. Am 08.06.1744 wurde dann entlang der heutigen Bachstraße ein Grenzgraben ausgehoben. Die Barmbeker versuchten wohl noch einmal diesen wieder zuzuschütten, allerdings ohne größeren Erfolg.

Langsam erhielten jetzt die Gebäude der ersten Stunde Zuwachs. Es entstand eine Topfmacherei (Pottbäckerei) für die in Hamburg florierende Zuckerindustrie und war im Besitz eines russischen Konsuls und an der Verzweigung des Wegs von Hamburg Richtung Winterhude und Barmbek entstand mit dem Heidkrug eine Gaststätte.

Der bereits erwähnte Immenhof "Uhlenhorst" wurde schon ab dem 17. Jahrhundert von wechselnden Besitzern nur noch als Landhaus genutzt und dann an die Hamburger Kämmerei verkauft, die eigentlich ein Quarantänehaus für Pestkranke daraus machen wollte. So weit kam es nie, letztlich wurde es in ein Lusthaus für Kämmerei-Bürger umgewandelt.

1748 wurde die unrentabel gewordene Pottbäckerei aufgelöst. Sie hatte bisher aus dem lehmigen Alsterufer entsprechende Materialien gewonnen und Tonwaren hergestellt. Die natürlichen Bodenschätze, bestehend aus Ton und Lehm, aus der Umgebung waren aufgebraucht. Dafür wurde kurze Zeit später nicht weit entfernt von der "Knochenhauergilde" ein Schlachthof gegründet. Das Gelände der Pottbäckerei geriet ebenfalls in Ihren Besitz, wurde aber vermietet. Sicher mit gutem Grunde außerhalb der Hamburger Stadtmauern.

Um noch einmal auf das Lusthaus der Kämmerei zu sprechen zu kommen: Lusthaus meint natürlich mehr eine Art Gästehaus für diplomatische Besucher der Hansestadt. Es wurde ein Gärtner angestellt, der die Uhlenhorst von ihrem namensgebenden Zustand wohl in eine Art Zaubergarten verwandelte, jedenfalls existieren mehrere Berichte aus dieser Zeit, die Ihn als sehr "wohlgeraten" beschreiben.

"Die sanfte, niedrige Talgegend hier am Alsterwasser wird dadurch doppelt schön, weil sie so einsam ist und gar keine Ansprüche zu machen scheint. Sie steht gleichsam im Verein mit der jenseitigen Gegend. Beide Alsterufer winken sich einander zu und locken den stillen Betrachter wechselseitig. ... Alles umher lächelt Wonne, die durch den Schleier der Bescheidenheit einer sanften Natur jeden Augenblick vermehrt wird."

1806 wurde die Romantik von den Franzosen abrupt beendet. Sie äscherten bis 1813 alle Gebäude in Uhlenhorst und Hohenfelde ein, mit Ausnahme der Kuhmühle, die als Wachtposten befestigt wurde. Freies Schussfeld war jetzt wichtiger...

Nach Abzug der Franzosen veränderte sich einiges: Hamburg wuchs, drängte nach außen und so waren die umliegenden Gebiete zu erschließen.

Das Gebäude der Uhlenhorst (Es lag übrigens am heute westlichen Ende der Schenkendorfstraße), nach den Franzosen wiedererbaut, wurde zunächst verpachtet, was sich aber als unrentabel erwies. Daraufhin beschloss der Stadtrat nach einigen Diskussionen, "dass ein öffentlicher Verkauf dieses Gutes für das Staatsinteresse angemessen sei" und der Verkaufserlös in das Geldsäckel der "Schuldenadministrationsdeputation" fließen solle.

Gab man um 1600 die Uhlenhorst für ein paar Mark Pacht fort, so verlangten die Stadtväter zweihundert Jahre später bereits 4200 Mark. Da dieses für die damalige Zeit ein eklatant hoher Betrag war, wundert es nicht, dass der letzte Pächter der Uhlenhorst gegen 1836 aufgab.

Die darauf folgende Taxierung von Uhlenhorst ergab: 309 Scheffel und 134 Quadratruthen (eine Quadtratruthe hat ca. 21 qm) Land mit

  • einem Wohnhaus mit vier Wohnungen
  • einem Waschhaus nebst Hühnerstall
  • zwei Brennhäusern
  • drei Schauer (Schlachthäuser)
  • einem Pferdestall
  • einer Wagenremise
  • einer Gärtnerwohnung
  • einem Viehhaus
  • zwei Kornscheunen
  • vier Schweineställen
  • drei Pumpen
  • einem Sod
  • und einem Privet

Als Verkaufssumme wird 65000 Mark vorgeschlagen.

Am 05.04.1837 wird das Gebiet öffentlich versteigert: für letztlich 70700 Mark Banco oder 106500 Mark Courant kauft Dr. August Abendroth das Gebiet. Aber damit beginnt es erst: 1846 Die erste Schule auf der Uhlenhorst wird in der Averhoffstrasse eingerichtet (Mehr als eine Schulbaracke). 1852 Einrichtung der Sechslingspforte. 1853 Ruderclub Germania wird gegründet. 1858 Das Waisenhaus wird nach Uhlenhorst an die Averhoffstr. verlegt.

Im Bereich Hohenfeldes siedelten sich jetzt vermehrt Gärtnereien an. So auch ein gewisser Emil Neubert (Neubertstrasse) in der Güntherstrasse.

  • 1858 Emil Neubert gründet eine Gärtnerei in der Güntherstr.
  • 1859 642 Einwohner
  • 1859 Beginn des regelmäßigen Dampferverkehrs auf der Alster
  • 1861 wird in Hamburg die Torsperre aufgehoben, was den vor der Stadt gelegenen Gebieten einen ungeheueren Bevölkerungszuwachs beschert.

Als Dr. Abendroth 1867 stirbt, hat er gerade die ersten fertigen Grundstücke wieder verkaufen können und die von Ihm und seinen Partnern geleisteten Investitionen fangen an sich bezahlt zu machen. Die Straßenkarte ist die des heutigen Uhlenhost sehr ähnlich.

Jetzt ist auch endlich die Stadt Hamburg soweit, eigene Erschließungspläne umzusetzen. Nach 13 jähriger Planungszeit kann 1867 endlich die Umsetzung eines Bebauungsplans für Mundsburg und Hohenfelde nach Entwürfen von C. W. Plath und W. Lindley beginnen. Bezeichnenderweise erst, nachdem Lindley nach Berlin auswanderte. Plath erlebte das Bauende ebenfalls nicht mehr, er verstarb vorher.

  • 1867 3606 Einwohner
  • 1867 Dr. Abendroth stirbt
  • 1867 Beginn der Umsetzung des Bebauungsplans für Mundsburg und Hohenfelde nach Entwürfen von C. W. Plath und W. Lindley und 13 jähriger Planungszeit.
  • 1870 Schulpflicht wird in Hamburg eingeführt
  • 1871 Fertigstellung der Mundsburger Brücke
  • 1873 Uhlenhorster Fährhaus wird abgerissen und neu aufgebaut
  • 1874 6504 Einwohner
  • 1874 Abbruch der Kuhmühle
  • 1876 HTBU wird gegründet
  • 1876 Fertigstellung der Schwanenwik Brücke
  • 1880 8000 Einwohner
  • 1884 Aus der Brookes-Brücke im Freihafen, wird die Feenteichbrücke
  • 1885 11000 Einwohner
  • 1889 18000 Einwohner
Entwicklung der Einwohnerzahlen in Uhlenhost
1859 642
1867 3606
1874 6504
1880 8000
1885 11000
1889 18000

1985 wird die St. Gertrud Kirche feierlich geweiht. Grundsteinlegung war am 7. Mai. 1882

Im Rahmen einer Neuordnung von Bezirks- und Ortsämtern werden die Grenzen u.a. von Hohenfelde und Uhlenhorst am 08.5.1951 neu festgelegt. Irrtümlicherweise wird in manchen Abhandlungen für die Neufestlegung der heutigen Stadteilgrenzen das Großhamburggesetz von 1937 verantwortlich gemacht.


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